Es war pure Platznot, die vor 20 Jahren die Attler Gärtner zu einem Umzug zwang. Das neue Gelände an der Ortseinfahrt von Attel bot nicht nur Platz für größere Anbauflächen, sondern auch für einen weitläufigen Ladenbereich. Mit Gärtnerei, Hof und Markt entstanden über die Jahre 74 Arbeitsstellen für Menschen mit Behinderung.

Schon seit es die Stiftung Attl gibt, sind die Tätigkeiten in der Attler Gärtnerei und im Attler Hof wichtige Beschäftigungsfelder für die Betreuten. Mit den Arbeitsplätzen im Verkauf bietet der Grüne Bereich insgesamt 103 Arbeitsplätze an, darunter sind 74 Stellen für Betreute sowie zehn Lehrstellen. Hier finden Menschen mit einer Behinderung eine Arbeit, die zu ihren Fähigkeiten und zu ihrer Persönlichkeit passt. „Die Aufgaben im Grünen Bereich sind abwechslungsreich und richten sich nach dem Jahreslauf“, sagt Gärtnermeister Andreas Rauch. Seit acht Jahren leitet er die Gärtnerei. „Hier gibt es keine Enge und wir können auch individuelle Arbeitsplatzsituationen schaffen.“ Das sei zwar betreuungsintensiv. Aber damit fänden auch diejenigen eine erfüllende Tätigkeit, die sich sonst nur schwer in den Werkstättenbetrieb eingliedern lassen – etwa, weil sie einen hohen Bewegungsdrang haben. „Wir helfen unseren Betreuten dabei, dass sie ihr Potenzial entfalten können und bringen dabei im doppelten Sinn Leben zum
Blühen.“

Nachhaltigkeit zahlt sich aus

Nachhaltigkeit sowie ein bewusster Umgang mit Ressourcen sind wichtige Themen in Attl. In der Gärtnerei setzte vor etwa 15 Jahren ein Umdenken ein. Die Gärtner verzichten seit einigen Jahren komplett auf Neonicotinoide und auch sonst fast gänzlich auf Pestizide und Hemmstoffe. Auch bei der Düngung haben sie weitgehend auf organisch-mineralische Nährstoffversorgung umgestellt.

Auch der Markt legt großen Wert darauf, dass er jedes Produkt aus seinem Sortiment guten Gewissens verkaufen kann. „Das hat zur Folge, dass wir manche Pflanzen, die wir zukaufen müssten, einfach nicht im Angebot führen, weil wir ihre Aufzucht nicht vertreten können“, so Rauch. Bei der Auswahl der Waren im Markt liegt die Priorität darauf, dass sie nachhaltig produziert worden sind und im besten Fall aus der Region stammen. Dazu zählen Angebote aus den eigenen Werkstätten wie Teppiche aus der Weberei in Rott oder von nahen Behinderteneinrichtungen. „Das Jubiläum zeigt uns, dass wir mit unserer Arbeit den richtigen Weg eingeschlagen haben“, sagt Bereichsleiterin Ulrike Elsässer. „Als Einrichtung für Menschen mit Behinderung ist unsere wichtigste Ressource der Mensch. Und wir wollen nachhaltig wirtschaften, was sich auch in unserem Motto wiederfindet: Von uns – frisch, natürlich, ehrlich.“